Sabine goes Vietnam: Ho Chi Minh City

8. August 2017 um 08:03

Ho Chi Minh City alias Saigon ist eine unglaubliche Stadt! So viel pulsierendes Leben, so viel Verkehr – vor allem Mopeds, Roller und Motorräder, die wild durcheinander fahren, sich gegenseitig und die Autos überholen – so viele Straßenhändler, Mini-Kochbuden und Garküchen auf einen Haufen habe ich noch nicht gesehen. Dabei legen alle eine bewundernswerte Gelassenheit an den Tag und strahlen trotz des Lärms, Gedrängels und Gehupes eine Freundlichkeit aus, die ansteckend ist. Und obwohl ich gleich am ersten Tag drei Mal reingefallen bin, freute ich mich abends schon auf den nächsten Tag, das nächste Abenteuer.

Mopeds in Saigon

Ohne Moped gehörst Du nicht dazu

Gleich nach der Ankunft hätte ich beinahe einen schlimmen Fehler gemacht. Nach etwa einer halben Stunde Wartezeit hatte ich mein „Visum by Arrival“ mit Euros statt Dollars bezahlt und auf 25 € tatsächlich einen Dollar zurückbekommen. Damit hatte ich gar nicht gerechnet und steckte den Reisepass samt Visum samt Dollarschein geistesabwesend in meine Tasche, um ihn ein paar Meter weiter am Pass-Schalter wieder herauszukramen und dem Beamten hinzuhalten. Im letzten Moment erkannte ich, dass der aus dem Reisepass herauslugende Dollarzipfel vom Beamten leicht missverstanden werden könnte und zog ihn rasch heraus. Der Beamte hat nichts bemerkt und alles ging gut.

Noch mal zum Visum: Zwar habe ich eine halbe Stunde warten müssen, bevor ich meinen Stempel hatte und durch die Passkontrolle gehen konnte. Die Alternative wäre aber gewesen, in Deutschland ein Visum zu holen, in Berlin oder in Frankfurt bei der vietnamesischen Botschaft. Das bedeutet, wenn man früh genug ist, alle Unterlagen inklusive Rückumschlag hinzuschicken und dafür zu bezahlen – oder hinzufahren. Wenn man spät dran ist und es schnell gehen soll, mit Express-Zuschlag. Dagegen war die Alternative, über „Visum Vietnam“ online das Visum zu beantragen und vorzubereiten mit 14 € für den Dienstleister „Vietnam Destination Visum Service“ preiswert – und vor allem superschnell. Die Visumsgebühr selbst (25 $ resp. €) hätte ich so oder so bezahlen müssen. Also kann ich den Online-Service ohne wenn und aber empfehlen.

„Yes, Madamme.“

Moped mit Blumenkranz

Mit dem Moped lässt sich alles transportieren

Der vom Hotel bestellte Taxifahrer war der erste und nicht der einzige Dienstleister am ersten Tag, der mir zeigte, was eigentlich jedermann weiß: Es gibt viele asiatische Menschen, die so überaus freundlich sind, dass sie einfach nicht nein sagen können. Sie sagen ja und stempeln gleichzeitig durch ihr Tun dieses eindeutige Ja zur genauso eindeutigen Lüge. Ja, er spreche Englisch, sagte der Taxifahrer. Ob es immer so früh dunkel sei in Saigon, fragte ich, die bei der Landung um 19 h erstaunt gewesen war, dass die Stadt schon komplett im Dunkeln lag. Ja, antwortete der lächelnde Taxifahrer, immer. Bei uns werde es im August erst gegen 10 Uhr abends dunkel. Ja, lächelte der Taxifahrer. Wann es denn morgens hell werde? Also wann die Sonne aufgehe, war meine nächste Frage. Ja, Madamme, sagte der Taxifahrer lächelnd.

Jeder hat mindestens einen Motorroller, oder zwei oder drei …

„Madamme“ wird auf der zweiten Silbe genauso betont wie auf der ersten und es begegnete mir in den nächsten Tagen noch oft.

Ich beschloss, nicht weiter zu versuchen, ihn in ein Gespräch zu verwickeln und mir stattdessen während der Fahrt die Stadt anzuschauen. Was es da alles zu sehen gab! Am meisten beeindruckte mich der Verkehr: Dutzende, manchmal hunderte Mopedfahrer an einer Ampel fahren alle gleichzeitig los, aber nicht im gleichen Tempo. Da gibt es ein Gewusel und Überholen und Zurückbleiben und Einscheren, dass man denkt, es müsse jede Sekunde ein Unfall passieren. Nichts passiert. Vielleicht sind sie dafür alle zu langsam unterwegs oder sie haben mehr Überblick, als wir denken.

Dazwischen jede Menge Autos, Busse und Taxen, die jede Gelegenheit wahrnehmen, die Mopeds anzuhupen. Nicht, weil das irgendeinen Sinn machen oder gar etwas ändern würde. Nein, einfach so. Um zu zeigen, dass sie noch da sind und eigentlich im Recht.

Mopeds von hintenDie Mopedfahrer scheren sich nicht um das Gehupe und fahren einfach weiter. Und dann und wann – nein, kein weißer Elefant, sondern ein Fahrrad. Ein echter Exot zwischen den Mopeds, ein einsamer Held, der todesmutig seine Pedale tritt und im Grunde genauso schnell vorankommt wie Mopeds und Autos. Es ist einfach so viel Verkehr, da kann gar keiner wirklich schnell fahren. Ich möchte gerne auf meiner Reise durch Vietnam Fahrrad fahren – aber ganz bestimmt nicht in Saigon!

Mit oder ohne Helm, zu zweit, zu dritt oder zu viert

Moped mit FamilieMotorisierte Zweiradfahrer tragen meistens einen Helm, nicht immer. Meistens tragen auch die Beifahrer einen Helm. Oft fährt die ganze Familie auf einem Moped: Papa und Mama und noch ein oder zwei kleine Kinder, die vorne zwischen den Armen des Lenkers sitzen. Und nicht selten haben die zwei kleinen Kinder vorne beide keinen Helm auf. Ganz abstrus wirkt das, wenn beide Eltern Helme anhaben …

Nicht ohne meinen Roller

Jeder Saigonner hat ein Moped, mindestens eins. Manche müssen zwei oder drei haben. Einige schieben sie zum Schlafen vor den Hauseingang oder sogar in den Flur. Ich sah ganze Scharen von Motorrädern in Hotelfoyers stehen. Oder in Hausfluren und Geschäften. Sobald der Besitzer den Laden zumacht, schiebt er das Moped hinein. Andere Mopeds stehen draußen, dann schläft aber der Besitzer oder ein Wachmann darauf. Ich hätte so gerne Fotos gemacht, aber schlafende Menschen zu fotografieren wäre respektlos.

Stellen Sie sich eine belebte Straße mitten in einer pulsierenden Millionenstadt wie Saigon vor, an der auch nachts um ein Uhr noch richtig viel Betreb ist, auf der Straße und auf dem Bürgersteig, sitzende, stehende, schlendernde Menschen. Und alle paar Meter stehen Mopeds und Motorroller alleine oder im Pulk. Und immer mal wieder liegt einer längs auf dem Moped und schläft tief und fest.

Den Mopeds gehört die Straße – und der Bürgersteig

Die Mopeds fahren im Pulk auf der Straße, überholen sich gegenseitig und die Autos und: Sie kennen keine Ampel. An manchen Ampeln halten sie zwar ein bisschen an, fahren aber gleich los, wenn ihre Ampel grün wird, egal wie viele Fußganger gerade noch die Straße queren. Andere Ampeln werden einfach ignoriert. „Grün? Ist mir doch egal!“ Selbst wenn die Fußgänger Grün haben, fahren sie über die Kreuzung. Wenn Du auf dem Bürgersteig gehst und plötzlich ein Hupen hinter Dir ertönt, ist es ein Mopedfahrer, der vorbeiwill.

Die Straße zu überqueren ist eine echte Herausforderung: Selbst bei grüner Ampel und Einbahnstraße gibt es keine sichere Methode, denn die Mopeds fahren ebenfalls los, auch wenn sie Rot haben, und einige kommen aus einer Richtung, aus der sie eigentlich gar nicht kommen können. Du musst es machen wie die Autofahrer: Einfach langsam, aber bestimmt in den wuselnden Schwarm hineingehen und Deine Richtung und Geschwindigkeit unbeirrt beibehalten im vollen Vertrauen darauf, dass der Schwarm sich teilt und hinter Dir wieder schließt. Nach zwei Tagen Üben hatte ich den Dreh raus.

Hilfsbereit? Geschäftstüchtig!

Wenn Sie mit einem Stadtplan durch die Stadt laufen oder aufs Handy schauen und offensichtlich eine Orientierung suchen, hält innerhalb von einer Minute ein Mopedfahrer und bietet seine Hilfe an. Wenn Sie fragen, ob er Ihnen sagen kann, wo Sie sind, antwortet er lächelnd, er könne Sie mit seinem Moped überall hinbringen. Wenn Sie dann fragen, ob er Ihnen zeigen kann, an welcher Kreuzung Sie sich gerade befinden, antwortet er lächelnd mit Ja, und wenn Sie ihm schließlich die Karte hinhalten, deutet er nur lächelnd auf seinen Rücksitz: „Ja, Madamme, aufsteigen!“

Dieser Text gehört zur Bloparade `Mein Sommer: Zwischen Brotjob, Kultur und Ferien´. Kulturmacher*innen und Kulturschreiber*innen, die sich dieser Aktion anschließen wollen, finden die Teilnahmebedingungen unter https://kulturblogclub.wordpress.com/2017/06/21/einladung-aktion-sommer-zwischen-brotjob-kultur-ferien/

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