Die Corona-Pandemie hat uns einen gewaltigen Schubs in Richtung Online-Meetings, Video-Konferenzen und Webinare gegeben, und wer noch nie an einem virtuellen Meeting teilgenommen hatte, musste es jetzt lernen: Wie ich mich anmelde, worauf zu achten ist, wie ich mein Micro stummschalte und dafür sorge, dass keine Mitbewohner, Gatten, Kinder oder Katzen plötzlich durch Bild laufen oder sich lautstark bemerkbar machen. Vor allem aber: Wie ich mich selbst richtig ins Bild setze, wenn ich etwas zu sagen habe.

So bitte nicht!

Abschreckende Beispiele

 

 

 

Einige Beispiele für schlechte Beleuchtung, unangemessene Kleidung und Haltung oder unvorteilhaften Bildausschnitt

Die meisten von uns haben das ganz gut hingekriegt und einige kommen richtig professionell rüber. Leider gibt es aber immer noch ganz gräßliche bis peinliche Ausrutscher. Von denen wird später unten die Rede sein. Zunächst einmal ein paar Worte zur Grundausstattung: Wenn Sie in einer privaten Chatgruppe sind, mag es noch angehen, sich während des Meetings auf dem Sofa zu lümmeln oder dass alle Teilnehmer*innen Ihr Wohnzimmerchaos inklusive Wäscheständer, verstreuten Kinderspielsachen und dem zerknüllten Gästebettzeug auf dem Boden sehen. In einem Business-Meeting oder auch in einem Webinar macht das keinen guten Eindruck und lenkt zudem alle anderen davon ab, was Sie sagen.

Neben der Ordnung in Büro, Küche oder Wohnzimmer gibt es ein paar Grundsätze und technische Equipments, die unverzichtbar sind:

Zeigen Sie Ihr Gesicht

Normalerweise ist unser Gesicht bei der Arbeit am Laptop oder PC vom Monitor ein bisschern beleuchtet – leider meist mit einem unvorteilhaften Grün- oder Gelbstich – und normalerweise reicht das auch. In einem geschäftlichen Meeting aber nicht. Ihr Gesicht ist von einer Seite (Fenster?) hell und die andere Hälfte liegt im Dunkeln. Oder: Der Monitor strahlt von unten und zeigt die „Nasenlochperspektive“ – ich kann Ihnen versichern, ich habe noch keinen Menschen getroffen, bei dem diese Perspektive attraktiv ist. Oder: Der Laptop steht so, dass nur der obere Teil Ihres Gesichts zu sehen ist, darüber ganz viel Zimmerdecke (oder Himmel). Oder: Ich kann die Buchtitel im Regal lesen, Ihr Gesicht aber liegt im Dunkeln.

Daher: Stellen Sie die Kamera so, dass Ihr Gesicht klar von vorne zu sehen ist. Wenn es die Laptopkamera ist, bedeutet das: Sie müssen die Position des Laptops erhöhen. Stellen Sie den Laptop so hoch, dass die eingebaute Kamera (bei mir ist sie mittig in der Umrandung untergebracht) auf Gesichtshöhe ist. Und ja, das hat zur Folge, dass Sie mit einer externen Tastatur arbeiten müssen. Ein kleines Tischregal oder – sehr praktisch – ein Buchständer ist eine passende Unterlage. Mein Laptop zum Beispiel steht schräg auf einem Buchständer, seitdem ich Coronabedingt immer wieder Webinare und Online-Konferenzen besuche oder Telefonkonferenzen mache. Die Tastatur steht schräg in den Buchständer eingeklemmt, den ich auf höchste Schrägstufe gestellt habe, der Monitor steht frei darüber.

 

 

 

Laptop hochgestellt, Extra-Lampe, externe Tastatur und Monitor

 

 

 

Der Laptop links ist hochgestellt, damit die Kamera auf Augenhöhe ist. Die kleine Lampe beleuchtet das Gesicht gleichmäßig von vorne. Auf dem großen Monitor laufen Neben-Programme.

Sprechen Sie in die Kamera

Bei der Laptop-Kamera ist noch mehr zu beachten: Auch wenn Sie – wie ich – mit einem externen großen Monitor arbeiten, dürfen Sie bei Online-Meetings das Programm nicht nach dem Start wie gewohnt einfach rüber in den großen Monitor ziehen. Denn dann werden Sie sich während des Meetings dem Videofenster im großen Monitor zuwenden, während die Kamera des Laptops sie von der Seite zeigt. Ihre Gesprächspartner sehen Sie auch nur von der Seite und aus deren Perspektive sprechen und gucken Sie irgendwohin nach links oder rechts, aber nicht zu  den Teilnehmer*innen des Meetings. Achten Sie also darauf, dass Sie in die Kamera sprechen und gucken, damit man sieht, dass Sie bei der Sache und bei den anderen sind, alles  andere wirkt unhöflich.

Das Licht kommt von vorne

Ganz wichtig ist das Licht. Auch ich musste lernen, dass die Beleuchtung direkt von Vorne kommen muss: Nicht von oben oder unten, nicht von der Seite, sondern direkt gerade von Vorne. Ohne Extra-Lampe kommen Sie nicht aus. Es gibt Rundleuchten für wenig Geld, die sollen ganz gut sein. Damit habe ich persönlich keine Erfahrung. Ich empfehle eine kleine Tageslichtlampe, die sich in Höhe und Winkel verschieben lässt und bei der man zwischen weissem und gelbem Licht und verschiedenen Dämmstufen wählen kann. Die Empfehlung habe ich selbst in einem Webinar bekommen und mir die Lampe sofort gekauft. Seit März 2020 steht sie auf meinem Schreibtisch zwischen Laptop und Monitor und ich bin sehr zufrieden damit. Sie kostet ca 55 € und ist bei Amazon, aber auch sicher in anderen Läden erhältlich: FeinTech LTL00100 LED Schreibtisch-Lampe, Lichtfarbe warmweiß bis kaltweiß, dimmbar*

q? encoding=UTF8&MarketPlace=DE&ASIN=B01N9EY6BD&ServiceVersion=20070822&ID=AsinImage&WS=1&Format= SL250 &tag=wwwfaltmannpr 21

Übrigens stand auf meinem Schreibtisch schon eine große Tageslichtlampe, die normalerweise bestens ihren Zweck erfüllt. Aber für die optimale Beleuchtung von Vorne ist sie zu hoch und streut zu breit, sie beleuchtet schließlich den ganzen Arbeitsplatz. Meine kleine Zusatzlampe mache ich nur gezielt an, wenn ich ein Online-Meeting habe.

Computer-Micro oder Headset?

Mit dem Micro habe ich und haben meine Gesprächspartner unterschiedliche Erfahrungen gemacht. In manchen Meeting funktioniert das Headset nicht, dann höre ich nichts oder werde nicht gehört. In anderen läuft es prima und ich bin näher dran, weil äußere Geräusche weggefiltert werden. Ich habe mir zusätzlich zu meinem alten Headset ein kleines Micro angeschafft, von dem ich ganz begeistert bin: Es verbindet sich kabellos über Bluetooth mit meinem Laptop, ich bin gut zu hören und was meine Gesprächspartner oder der Webinarveranstalter sagen, kann außer mir niemand im Raum verstehen. Mein Micro ist das Plantronics Voyager Legend Bluetooth-Headset in Schwarz*

q? encoding=UTF8&MarketPlace=DE&ASIN=B009ES6FTO&ServiceVersion=20070822&ID=AsinImage&WS=1&Format= SL250 &tag=wwwfaltmannpr 21

Ganz unverzichtbar ist das externe Micro für Online-Sport: Ob Pilates, Yoga oder Fitness, das Headset ist ein Muss, wenn der Sprecher weiter als einen Meter vom Computer entfernt ist. Denken Sie nicht, es wird schon gehen, man wird mich verstehen. Und glauben Sie Ihren Teilnehmer*innen nicht, wenn die sagen, es sei o.k. so. Die sind zu höflich oder freundlich, etwas anderes zu sagen. Fakt ist: Es geht nicht! Wenn Sie Ihre Anweisungen ohne Extra-Micro in den Raum sprechen, klingen sie blechern oder vernuschelt, weit weg oder unverständlich.

Ein Headset bietet die Chance auf sehr nahe Präsenz, Ihre Teilnehmer*innen hören Sie, als seien Sie im gleichen Raum. Beim Yoga ist der Klang der Stimme so wichtig wie die genauen Anweisungen und auch bei anderen Sportarten ist die Qualität und Deutlichkeit Ihrer Stimme wichtiger als die des übertragenen Bildes: Alle Teilnehmer*innen hören Sie schließlich die ganze Zeit, aber weil sie mitturnen, können Sie das Bild nicht ständig verfolgen.

Achten Sie auf den Bildausschnitt

Ein weiterer Aspekt, der so oft vernachlässigt wird, ist der Bildausschnitt: Setzen Sie sich nicht zu weit weg von der Kamera, denn die anderen Teilnehmer*innen möchten Ihr Gesicht genau sehen und erkennen können, ob Sie lachen, ernst blicken, nachdenklich sind oder was auch immer aus Ihren Zügen zu lesen ist. Achtung! Nehmen Sie niemals das Tablet in die Hände und halten es ganz nah vors Gesicht, wenn Sie sprechen. Sie werden lachen, aber genau das wurde mir aus einer Schulkonferenz berichtet.

Der Bildausschnitt lässt sich leicht selbst überprüfen: Ihr Gesicht sollte ungefähr mittig sein und wenn Sie eine Hand quer über den Kopf halten, sehen Sie auch, ob der obere Abstand stimmt. Auch die Sitzhaltung spielt eine Rolle: Ihr Gegenüber merkt einen großen Unterschied, ob Sie auf dem Stuhl hängen oder gar liegen – oder gerade sitzen. Wer gerade sitzt und gerade in die Kamera schaut, zeigt deutlich sein Interesse. Wer sich rumlümmelt oder irgendwo links, rechts, oben oder unten abgeschnitten ist, demonstriert nicht Lässigkeit, sondern Desinteresse.

Respektieren Sie die Privatsphäre

Sie haben richtig gelesen: Respektieren Sie die Privatsphäre der anderen. Wer anderen ungefragt seine private Umgebung und seine Freizeitkleidung aufdrängt, zeigt keinen Respekt. Ich möchte nicht sehen, wie mein Partner oder meine Kundin zu Hause lebt. Außer bei Freundinnen und Verwandten bin ich da gar nicht neugierig und es geht mich ja auch nichts an. Und wenn jemand zu einem Online-Meeting ganz offensichtlich leicht bekleidet und mit einem Turbanhandtuch um den Kopf direkt aus der Dusche kommt, dringt er mit seiner persönlichen Duftmarke in meinen privaten Raum ein und verletzt damit ungebeten die ungeschriebenen, aber sehr wohl gefühlten Distanzregeln. Also bitte keine persönliche Unordnung, keine Essensreste, kein Bett und kein privater Aufzug, keine politischen Statements (wenn es sich nicht um ein politisches Meeting handelt) und kein Kinderkram, das ist zu intim.

Angemessene Kleidung und angemessenes Benehmen

Selbstverständlich sollten Sie bei jedem Online-Meeting angemessen gekleidet sein: Wenn Sie sich anziehen, als gingen Sie zu einem Vorstellungsgespräch, machen Sie nichts falsch. Nicht erlaubt sind: Sonnenbrille, Morgenmantel (sic!), Bärchenschlafanzug, Jogginganzug, freizügiger Ausschnitt, Hawaihemd, nackte Arme oder Schultern, Baseballkappe oder Mütze (außer, wenn das zu Ihrer Marke gehört, wenn Sie also zum Beispiel Rezo sind ;-), ungekämmte Haare usw. Dezente Muster sind besser als riesige Blumen oder Karos, ebenso ist es mit den Farben: lieber dezent und ruhig als knallig und bunt. Ganz verpönt sind Kaugummis (sic!) oder überhaupt essen. Bedenken Sie: Jeder andere Teilnehmer kann einen Schnappschuss von Ihnen machen. Und Sie wissen sicher, wie unvorteilhaft jemand aussieht, der gerade einen Löffel in den Mund schiebt oder in ein Brötchen beisst.

Dazu kommt: Ihr Körper erinnert sich. Der Körper weiß, in welcher Kleidung er welche Situation erlebt hat. Auch wenn Sie denken, Sie können das außer acht lassen: Der Körper lässt die Lässigkeit raushängen, wenn Sie lässig gekleidet sind – und zeigt volle Aufmerksamkeit und Professionalität, wenn die Kleidung entsprechend ist. Ich kenne Menschen, die das so ernst nehmen, dass sie für ein Online-Meeting sogar die gemütlichen Wollsocken gegen ihre Schuhe tauschen – obwohl sicher niemand unter ihren Schreibtisch spinxen kann.

Optischer Hintergrund und Geräusche

Der Hintergrund sollte ruhig und geordnet sein, damit er nicht ablenkt. Sie können gewiss sein, wenn Sie nur ein bisschen Unordnung im Hintergrund zeigen, werden alle Teilnehmer*innen sich daran erinnern – und nicht an das, was Sie gesagt haben! Eine Kollegin hatte bei einer Sitzung tatsächlich außer dem (unaufgeräumten) Bücherregal einen Wäscheständer voll Wäsche (Socken hingen da), ein aufgebautes Bügelbrett mit Eisen und Wäschestück, eine Kiste mit Kinderspielsachen und vieles mehr im Hintergrund. Aber denken Sie, ich erinnerte ein Wort, das sie gesagt hat?

Total chaotisches Zimmer als virtueller Hintergrund bei Zoom

 

 

 

Wenn schon Chaos im Zimmer, dann aber richtig! Bei diesem virtuellen Hintergrund aus „Only fools and horses“  ist das Schmunzeln beabsichtigt

Wenn es also ein Bücherregal sein soll, soll dieses aufgeräumt und sortiert aussehen. In meinem Büro half das ganze Aufräumen nichts, weil zu viel Kram auf zu kleinem Raum versammelt ist. Ordner, Bücher, Stehpult und Regale, Drucker und Schrank, antike Schreibmaschine und Bilder an den Wänden usw. … alles zusammen wirkt einfach nur chaotisch. Daher haben der Gatte und ich einen Draht quer durchs Zimmer gespannt und ich habe zwei weiße Laken an Ringklipsen daran gehängt. Vor jedem Online-Meeting kann ich den Vorhang zuziehen, das dauert keine fünf Sekunden, so dass statt meines wohlgeordneten Chaosses nur noch weißes Laken im Hintergrund zu sehen ist. Nach dem Meeting schiebe ich den Vorhang wieder zur Seite, damit er mich bei der täglichen Arbeit nicht stört.

Was für den optischen Hintergrund gilt – ruhig und nicht ablenkend – gilt natürlich auch für die Lärmkulisse. Sagen Sie Ihren Mitbewohnern Bescheid, sorgen Sie dafür, dass der Hund nicht bellt und die Katze nicht miaut und dass der DHL-Bote nicht klingelt – oder sein Klingeln im Büro nicht zu hören ist. Mit solchen Einlagen sorgen Sie zwar für allgemeine Erheiterung, aber das ist ja nicht der Sinn des Meetings.

Virtueller Hintergrund?

Bei Zoom und einigen anderen Online-Programmen gibt es virtuelle Hintergründe. Ich habe das ausprobiert und halte davon nichts: Die Golden Bridge oder der schöne Blumengarten lenken genauso ab wie ein echter Garten oder das rauschende Meer im Hintergrund. Und wenn Sie sich bewegen, haben Sie Löcher im Kopf oder im Gesicht. Der einzige akzeptable virtuelle Hintergrund ist einfarbig gedeckt (wei ein Vorhang), und auch dann dürfen Sie sich nícht bewegen, denn das schafft die Technik nicht.

In mehr oder weniger privaten Meetings, in denen Kolleg*innen mit einem virtuellen Hintergrund sitzen, mache ich mir den Spaß, einen der Jux-Hintergründe zu nutzen, die Sie auf der Website des BBC-Archivs „The joy of sets“ finden.

Machen Sie ein freundliches Gesicht

Wer jemals ein Telefonseminar mitgemacht hat, erinnert sich an den Tipp: Legen Sie einen Spiegel neben ihr Telefon. Vor dem Anrufen den Spiegel zur Hand nehmen und freundlich hineinlächeln – und dann erst wählen. Ihr*e Gesprächspartner*in merkt, wie Sie drauf sind, und sieht Ihr Lächeln durch den Hörer.

Umso wichtiger ist das Lächeln, wenn wirklich Ihr Gesicht zu sehen ist. Rennen Sie nicht abgehetzt in letzter Minute zum Meeting und loggen sich ein, während Sie noch die Kleider und die Frisur ordnen. Setzen Sie sich mit Bedacht hin, bereiten Sie sich mental kurz vor, atmen Sie dreimal tief durch, lächeln Ihr Spiegelbild freundlich an und gehen dann ruhig und erwartungsfreudig hinein ins Meeting – die anderen merken das!

Zehn Tipps fürs Online-Meeting auf einen Blick:

  1. Zeigen Sie Ihr Gesicht
  2. Beleuchtung von vorn
  3. Kamera auf Augenhöhe
  4. Hinwendung zur Kamera
  5. Audioqualität ist wichtiger als Bildqualität
  6. Anständige, dezente Kleidung
  7. Machen Sie ein freundliches Gesicht
  8. Sitzen Sie gerade
  9. Zeigen Sie Respekt
  10. Keine Unordnung und kein Lärm im Hintergrund

Danke an Ben Meredith

Ben hat das geniale kleine Tool „Better click to tweet“ entwickelt. Nachdem mein altes Plugin im neuen Theme nur ganz unleserliche Tweets zeigte und ich nicht herausfinden konnte, wie ich Schriftfarbe und -größe so ändern kann, dass meine geschätzten Leser*innen meine Tweetvorschläge auch lesen können, kam mir heute die Idee, mich nach einem neuen Plugin umzusehen – und ich fand „Better click to tweet“: Schnell installiert und einfach zu bedienen, ein hübsches funktionierendes kleines Tool für WordPress, vielen Dank dafür!

7ee10ff8b74545e59c9883d5009db474

7ee10ff8b74545e59c9883d5009db474
TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste

Beiträge abonnieren

Mit Absenden des Formulars abonnieren Sie den Newsletter und akzeptieren die Datenschutzbestimmungen der Website.