12 Argumente für Freiberufler*innen

1. Februar 2020 um 21:15

Welche Vorteile haben kleine und mittlere Unternehmen von der Zusammenarbeit mit Freiberufler*innen?

Freiberufler sind zu teuer. Freiberufler sind nicht da, wenn man sie braucht. Freiberufler machen, was sie wollen, und sind nicht kontrollierbar. Haben Sie solche und ähnliche Argumente schon mal gehört? Sie stimmen allesamt nicht, im Gegenteil: Freiberufler sind nicht so teuer wie feste Mitarbeiter, (fast) immer verfügbar, sehr viel kontrollierter und disziplinierter als Festangestellte, produktiver und effektiver, leistungsfähiger und stets auf dem neuesten Stand in ihrem Gebiet.

Aus aktuellem Anlass muss ich das Thema noch einmal aufgreifen. Ich dachte zwar, es hätte sich inzwischen herumgesprochen, dass Freiberufler preiswerter sind als Festangestellte, aber vor einigen Wochen hat einer meiner Kunden verkündet, mein Arbeitskontingent (und damit meine Einkünfte) um 60 Prozent zu kürzen – und zwar nicht, weil er mit den Ergebnissen meiner Arbeit nicht zufrieden wäre, sondern um zu sparen. Das ist in meinen Augen so unglaublich, dass ich noch einmal für alle erklären möchte, warum wir Freiberufler*innen viel günstiger und effektiver sind als Festangestellte.

Auf einen Blick: Was macht Freiberufler für Unternehmer attraktiv?

Schreibtisch mit Laptop, Tastatur, Monitor

  • Unternehmer bezahlen nur die produktive Zeit: Keine Fortbildung, keine Fehlversuche, keinen Urlaub und keine Krankheitstage.
  • Freiberufler versorgen sich selbst: Sie zahlen ihr Equipment selbst, ihre Hard- und Software, ihren Schreibtisch, ihren Stuhl, ihre Miete, ihren Parkplatz, ihr Auto … Mehr noch: Sie bezahlen auch ihre Fortbildungen selbst.
  • Freiberufler sind immer up-to-date: Sie müssen immer auf dem neuesten Stand der Technik und des Wissens in ihrem Fach sein. Bei den kurzen Innovationszyklen sowohl in der PR- als auch in der IT-Branche fällt etwa in meinem Fall sehr viel Weiterbildung an.
  • Freiberufler haben den Überblick: Ein Freiberufler arbeitet nicht nur für ein Unternehmen, sondern für mehrere, bestenfalls in der gleichen Branche. Dadurch hat er nicht nur tiefgreifende Fachkenntnisse, sondern kennt auch die Branche, ihre Messen und Events, ihre Plattformen und ihre Player und möglicherweise (aus früheren Aufträgen) die Mitbewerber und deren Strategie.
  • Freiberufler arbeiten effektiv und effizient: Effektivität ist essentiell für einen Freiberufler, denn er kann nur die produktiven Stunden in Rechnung stellen. (Anders als der Angestellte, der während seiner Arbeitszeit auch mal einen Plausch mit Kollegen hält, einen Kaffee trinkt usw. Das macht der Freiberufler zwar auch, aber in seiner Freizeit.) Und Freiberufler achten darauf, dass ihre Arbeit effizient für das Unternehmen ist, denn wenn das Unternehmen keinen Erfolg hat, verlieren sie als erste ihren Job.
  • Freiberufler strengen sich mehr an. Vergleichbar mit Teilzeitkräften, die sich die wenigen Stunden, die sie im Unternehmen sind, sehr gut einteilen und strukturieren müssen, damit sie ihre Aufgaben in der zur Verfügung stehenden Zeit erledigen können – und anders als Vollzeitkräfte, die einen ganzen 8-Stundentag zur Verfügung haben und sich erst mal lässig einen Kaffee holen und die Zeitung aufschlagen oder das Postfach durchstöbern.
  • Freiberufler arbeiten auch, wenn sie krank sind. Nein, natürlich sollen sie nicht arbeiten, wenn sie richtig krank sind. Aber wenn sie einen Schnupfen haben oder Husten oder Kopfschmerzen, dann sitzen sie dennoch am Schreibtisch, denn der Rubel muss rollen.
  • Freiberufler bezahlen ihre Krankenversicherung und ihre Rentenversicherung selbst. Im „schlimmsten“ Fall zahlt der Unternehmer einen kleinen Beitrag (ca. 4 Prozent) zur Künstlersozialversicherung, wenn er einen Kreativen beschäftigt. Das war’s aber auch schon.
  • Für Freiberufler fallen – anders als für Festangestellte – keine Rekrutierungskosten an: keine Anzeigen, Fahrtkosten, Kosten für Headhunter oder Personalkosten.
  • Für Freiberufler braucht man keine Personal- oder IT-Abteilung, der ganze Überbau fällt weg. Es braucht nur einen Buchhalter, der die Rechnungen prüft und bezahlt.
  • Freiberufler sind produktiver. Als produktiv gilt ein Mitarbeiter, der eigenständig und ohne wesentliche Rückfragen seine Aufgaben erledigt – und zwar in der vorgesehenen Qualität und der dafür vorgesehenen Zeit. Fest angestellte Mitarbeiter benötigen im Schnitt drei Monate Einarbeitungszeit, und berufen sich im Zweifelsfall auf Vorgesetzte oder widrige Umstände, weshalb sie ihre Arbeit nicht erledigen konnten.
  • Freiberufler sind (fast) immer verfügbar. Während ein Angestellter (zu Recht) auf seiner Freizeit besteht, im Krankheitsfall ausfällt und an ihm zustehenden Urlaubs- und Fortbildungstagen nicht zur Verfügung steht, versucht der Freiberufler, was möglich ist, um seinem Kunden immer zu Diensten zu sein, abends und am Wochenende und selbst im Urlaub, wenn es brennt.

Kurz: Freiberufler bieten bestmögliche Leistung zum günstigsten Preis.

Unternehmer suchen sofort einsetzbare Spitzenkräfte mit übergreifendem Know-how und langjähriger Erfahrung. Einen vergleichbaren Festangestellten würden sie sehr teuer bezahlen müssen. Und wenn der Unternehmer den Freiberufler nicht mehr braucht, weil das Projekt beendet ist oder warum auch immer – kann er die Zusammenarbeit von heute auf morgen beenden, ohne Abfindung, ohne drohendes Arbeitsgericht etc.

Wenn Sie, lieber Leser, noch nicht überzeugt sind, dass Freiberufler für bestimmte Aufgaben günstiger sind als Festangestellte, dann finden Sie vielleicht im nächsten Abschnitt Ihre Argumente.

„Warum sind Freiberufler denn so teuer?“

Das höre ich manchmal und kann darüber nur lachen. Wenn jemand von einem Stundensatz von 120 oder 150 € hört, bekommt er leuchtende Augen und vermutet leicht verdientes Geld mit wenig Arbeit. Damit kann man sicher schnell reich werden!

Screenshot vom Stundensatz-Rechner von akademie.de

Hilfreicher Stundensatz-Rechner auf akademie.de

Rechnen wir doch einmal andersherum: Ein Freiberufler, der ein abgeschlossenes Studium hat und zehn Jahre Berufserfahrung, möchte am Ende des Monats 3000 € netto übrig haben. Ein berechtigtes Anliegen, denke ich. Dann muss er doch bei einem Honorar von 100 € pro Stunde einfach nur lächerliche 30 Stunden im Monat arbeiten, oder?

Sie ahnen, dass das so nicht hinhaut, aber es ist noch schwieriger, als Sie denken: Grob gesagt muss der Freiberufler für seine Kosten (Equipment, Mietanteil fürs Arbeitszimmer, Fortbildung, Reisekosten) und für Versicherungen (Renten-, Pflege- und Krankenversicherungen sowie „Arbeitslosigkeit“ = Auftragsflaute)  je ein Viertel seiner Einkünfte weglegen und weitere 30 Prozent für „unproduktive“ Zeiten, die es zu überbrücken gilt: Fortbildung, Krankheit, Urlaub und Eigenwerbung, Angebote und Rechnungen schreiben, Buchhaltung und Steuererklärung etc. Von seinem „Umsatz“ bleiben ihm also grob nur 20 Prozent übrig. Das bedeutet, um am Ende des Monats 3000 € übrig zu haben, muss er 15.000 € einnehmen. Ups, da sieht die Sache schon anders aus.

Um 3000 € übrig zu behalten, muss unser Freiberufler also mindestens 150 Stunden zum Honorar von 100 € arbeiten. Nun ist es leider nicht so, dass alle unsere Kunden 100 € die Stunde bezahlen wollen und können. Und wir verlangen die auch nicht immer, denn für manche Arbeiten gibt es Pauschalen, für andere in einer Mischkalkulation geringere Stundensätze, zum Beispiel für rein organisatorische Arbeiten, Meetings oder Reisezeiten. „Dauerkunden“ zahlen eine anderes Stundenhonorar als Gelegenheitskunden, für die nur ein kleines Projekt gemacht wird. Bei großen Unternehmen kann man mehr verlangen als bei einem Einzelunternehmer usw. Gehen wir von einem mittleren Stundensatz von 90 € aus, sind wir aber schon bei einer Arbeitszeit von 167 Stunden im Monat – das ist ungefähr die Zeit, die auch ein Festangestellter in seinem Betrieb verbringt.

Dass diese Rechnung ein bisschen optimistisch ist, wissen Sie, wenn Sie auch nur einen einzigen Freiberufler kennen: Lässt er abends um 17  oder 18 Uhr den Stift oder sein Werkzeug fallen, klappt den Laptop zu und macht Feierabend? Arbeitet er nie nach 20 Uhr oder am Wochenende? Nimmt er sein berufliches Mobilfon etwa nicht mit in den Urlaub, weil ein wichtiger Kunde anrufen könnte? Wohnt er in einer teuren Villa, fährt einen Porsche, trägt Designerklamotten und leistet sich teure Urlaube? Nein? Dann wissen Sie, dass meine Rechnung oben sehr optimistisch ist.

Ehrlich gesagt: Die meisten von uns hangeln sich von Monat zu Monat und manche können maximal über die nächsten drei Monate schauen und wissen nicht, wie es danach weitergeht. Wenn der größte und einträglichste Kunde plötzlich abspringt – weil der Geschäftsführer wechselt und der neue seine eigene Agentur mitbringt, oder weil man plötzlich einen Dienstleister haben will, der näher dran oder weiter weg wohnt, oder weil eine interne Kraft plötzlich den Job des Freiberuflers übernehmen will und also dessen Kosten eingespart werden müssen, oder weil der IT-Leiter oder der Finanzchef darauf pocht, dass für Marketing nicht mehr „so viel“ Geld ausgegeben wird – also wenn aus irgendeinem Grund, den der Freiberufler selbst nicht zu verantworten hat, dieser Hauptkunde plötzlich abspringt, dann überfällt uns erst einmal regelrechte Existenzangst, und nur Erfahrene und Hartgesottene verlassen sich darauf, dass sich bald etwas neues finden wird. Wir müssen für diesen Fall etwas zurückgelegt haben, denn das Arbeitsamt hilft uns nicht weiter, wenn die Auftragslage schlecht ist.

Aber wer gute Arbeit leistet, wird doch seinen Job nicht verlieren?

Stempel "FIRED!"Doch, ja. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass mir das mehrmals passiert ist. Als ich noch Angestellte war, hat meine Arbeit als Marketingleiterin wesentlich dazu beigetragen, dass unser kleines Unternehmen gewinnbringend verkauft werden konnte, denn meine Abteilung Marketing und PR hatte mit einem sehr kleinen Budget sehr viel geleistet. Der neue Besitzer des Unternehmens jedoch drehte an der Sparschraube und sparte unter anderen die Marketingleiterin ein. In meinem nächsten Job habe ich mit erfolgreicher PR-Arbeit mein Unternehmen in große Wirtschaftszeitschriften wie das Handelsblatt gebracht – und wurde doch gefeuert, als es dem Unternehmen schlecht ging und Kosten eingespart werden sollten.

Als Freiberuflerin arbeitete ich anfangs für meine alten Chefs – die waren ja mit meinen Arbeitsergebnissen zufrieden und wussten, dass es für sie günstiger war, mich als Externe für PR und  Pressearbeit zu engagieren als jemanden intern einzustellen. Im Laufe der Jahre verlor ich immer mal wieder einen Kunden, weil ein Geschäftsführer wechselte, weil Kosten eingespart werden mussten oder weil ein interner Manager meinte, er könne die PR- und Pressearbeit selber übernehmen.

Des einen Freud …

Natürlich ist das, was für mich als Freiberuflerin von Nachteil sein kann, der Vorteil für die Auftraggeber: Sie können mich jederzeit ohne Begründung raussetzen. Sie gehen keinerlei Verpflichtung ein außer derjenigen, die beauftragten Projekte zu bezahlen.

Am liebsten sind mir natürlich die unkomplizierten Unternehmen, bei denen ich einen Ansprechpartner habe, der entscheiden kann, bei denen ich nicht für jeden Mini-Auftrag zuerst eine Aufwandsschätzung abgeben muss, und die am Ende des Monats anstandslos die in Rechnung gestellten Stunden bezahlen. Und natürlich kann ich bei diesen Kunden auch mein Stundenhonorar großzügig herunterfahren, denn ich spare eine Menge Aufwand, wenn ich keine Kalkulationen anstellen und Angebote abgeben muss.

Für den Auftraggeber liegt der Vorteil darin, dass er mit einem einzigen Hinweis ein Projekt anstoßen kann, sich auf meine selbständige Arbeit und zuverlässige Ausführung und Termintreue verlassen kann und nicht ständig zu kontrollieren und nachzuhaken braucht. Außerdem verlässt er sich gerne darauf, dass ich, wenn nötig, sofort Maßnahmen ergreife und Deadlines stets im Blick habe. Ich möchte behaupten, das ist eine echte Win-Win-Situation für den Unternehmer auf der einen und die Freiberuflerin auf der anderen Seite.

Fazit: Wenn Sie sparen möchten, ohne Qualitätseinbußen in Kauf zu nehmen, setzen Sie auf Freiberufler*innen!

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