Fernmeldemuseum Aachen: Wo es tütet, klingelt, rattert und scheppert

29. November 2014 um 22:21

Das Fernmeldemuseum Aachen bietet Technik von gestern und vorgestern zum Anfassen und Einschalten. Auf 360 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind alle Systeme im Original aufgebaut – und sie funktionieren! Damit ist das Fernmeldemuseum eine kleine Kostbarkeit, die in dieser Vielfalt und Vollständigkeit in ganz Europa einmalig ist. Führungen auf Anfrage.

Ich hatte das Glück, auf Einladung

der XING-Gruppe Aachen & Euregio Maas Rhein mit einer kleinen Gruppe eine persönliche Führung durch das Fernmeldemuseum in Aachen zu genießen. Wir hatten zu fünft eine exklusive, feine Führung mit dem Museumsführer Hermann Schnieder, der einen bewundernswertes technisches Wissen hat und uns alles bis ins kleinste Detail erklären konnte. Womit wir gar nicht gerechnet hatten: All diese Geräte funktionieren!

Alter Tischfernsprecher im Fernmeldemuseum Aachen

Tischfernsprecher, die an alte Bügeleisen erinnern

So ließ Hermann Schnieder es klingeln und rattern, scheppern und drucken, Ansagen hören und Bilder ablaufen und zeigte, wie man mit einem Föhn eine Bildstörung provozieren kann. Wir waren begeistert vom Wissen und von den schönen Schätzen, die im Fernmeldemuseum versammelt sind. Vielen Dank an die Organisation!

Wie alles anfing: Analoge Technik

Aber von vorne: Als in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts in Deutschland die Digitalisierung der Fernmeldenetze begann, wurde die analoge Technik stillgelegt und zum Fall fürs Museum. Gottseidank haben einige Leute aufgepasst und angefangen, die aussortierten Stücke zu sammeln. Als nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1990 in der ehemaligen DDR Fernmeldetechnik abgebaut wurde, die im Westen schon lange nicht mehr existierte, war der Aachener Museumsverein clever genug, sich wieder viele originelle Stücke zu sichern.

Geräte aus dem vorigen Jahrhundert: Lauthöreinrichtungen und Münztelefone

Lauthöreinrichtungen und Münztelefone

Von den ersten Drahtübertragungsapparaten von Philipp Reis und Alexander Bell über die frühe Ortsvermittlung, Linien-, Funk- und Telegrafentechnik bis zu heutigen Glasfaserkabeln gibt es hier alles zu bestaunen. Sie können in den Telefonapparat eines alten gelben Telefonhäuschen Münzen einwerfen und in einen unterirdischen Notfallbunker mit Kommunikationstechnik einsteigen, werden an lange vergessene Techniken wie BTX, Datex und Telex erinnert und hören staunend Wetteransagen von alten Ansageapparaten.

Unterirdisches Tonnenamt in der Röhre

Bitte einsteigen ins Kommunikations-Tonnenamt 🙂

Der Besuch im Fernmeldemuseum ist ein Fest für die Augen und für die Ohren. Eine aktuelle Reportage über „Telefongeschichten – Zeitreise in die Vergangenheit“ in meinem Lieblingssender WDR5 hat mich daran erinnert, über dieses schöne Erlebnis zu bloggen, denn meinen Bericht in der XING-Gruppe können ja nur die Mitglieder der geschlossenen Gruppe lesen. Übrigens hat auch die geschätzte Kollegin Ursula Ronnenberg über den Museumsbesuch auf ihrem Blog den Beitrag „Der Lochstreifen!“ geschrieben und schöne Bilder gepostet.

Achja, ich habe auch ein Filmchen gemacht und es geschafft, das auf YouTube einzustellen: Es zeigt Hermann Schnieder, der demonstriert, wie man in den Siebzigern mit einem Föhn (so einen orangenen Ur-Föhn hatten wir zu Hause!) beim Nachbarn eine Bildstörung im Fernseher verursachen konnte. Der Clip „Fernmeldemuseum Aachen: Wo es tütet, klingelt, rattert und scheppert …“ vermittelt ein bisschen von der Atmosphäre und der guten Stimmung, die beim Museumsbesuch herrschten.

Übrigens: Der Eintritt ist frei. Der Förderverein, der das Museum betreibt, freut sich jedoch über eine Spende und kann sie gut verwenden. Wir fanden, dass sich 6,50 € pro Person sehr gelohnt haben!

Wenn Sie das Museum kennen oder Fragen dazu haben, freue ich mich über Ihre Kommentare!


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