Wenn ich mehr habe, als ich brauche – oder: Warum Spenden so wichtig sind

22. Dezember 2015 um 13:15

Weihnachten, das ist die Zeit der Besinnung, des Beschenkens, des Teilens. Jedes Jahr wird uns aufs Neue bewusst, wie gut es uns geht und wofür wir dankbar sind. Wer nicht selbst in einer Notsituation ist, vergisst dabei gerne, dass es Menschen gibt, die auf unsere Hilfe angewiesen sind. Kinder sind Armut und Leid besonders hilflos ausgeliefert. Darum wollen wir die Weihnachtszeit dazu nutzen, daran zu erinnern, wie wichtig es ist, andere zu unterstützen.

Spenden_blogDr. Martin Emmerich, Leiter der Praxisklinik für Zahnheilkunde am Luisenhospital, überreichte am 18. November eine Spende von insgesamt 10.000 Euro an vier Kinderhilfsorganisationen, darunter auch der Ambulante Kinderhospizdienst. Jede Organisation erhielt 2.500 Euro, die den Kindern in verschiedenen Projekten zugute kommen.

Martin Emmerich sprach stellvertretend für Praxis und Patienten. „Das Spendengeld stammt von Altgoldspenden unserer Patienten und Spenden bei den Kurpark Classix. Ärzte und Helfer haben dort gekocht und die Gäste bewirtet, im Gegenzug haben wir um eine Spende gebeten“, erklärte der Zahnarzt bei der Spendenübergabe. Bei der Aktion waren rund 4.500 Euro zusammengekommen, den Rest hatte Emmerich privat aufgestockt. Er bedanke sich bei den vielen uneigennützigen Helfern, ohne die diese Spendenaktion nicht möglich gewesen wäre.

„Menschen, die im Wohlstand leben, sollten es anderen möglich machen, daran teilzuhaben“, erklärte er die Motivation für das Projekt. Verantwortung zu übernehmen ist für Dr. Emmerich in diesen Tagen für ein wichtiges Zeichen. Im Vordergrund stehe im Moment überall die Flüchtlingsproblematik. Auf solche akuten Probleme müsse man reagieren, dennoch sollte man andere Projekte darüber nicht aus den Augen verlieren.

Die Praxisklinik sammelt jedes Jahr Spenden für Kinder, die sozial oder gesundheitlich ins Hintertreffen geraten sind, regional und überregional. Darum gehe die Spende an die vier Vereine, um deren Arbeit finanziell zu unterstützen. „Die Leistung dieser Organisationen ist viel beachtenswerter, als das, was wir machen.“ Für die Organisationen, die in hohem Maße auf Spenden für ihre Arbeit angewiesen sind, ist die Praxis seit vielen Jahren ein zuverlässiger Partner. Viele der Projekte werden ausschließlich über Spenden finanziert.

Es gibt drei feste Projekte, die die Praxis jedes Jahr fördert. Hinzu kommt ein jährlich wechselndes Projekt. Dieses Jahr ist der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Aachen e.V. an der Reihe und darf sich über eine Spende von 2.500 Euro freuen. Kirsten Jetzkus vom Aachener Kinderhospizdienst beschreibt, dass die Spende nach dem Umzug in den Neubau dringend benötigt wird. Der Ortswechsel von Haaren nach Eilendorf war überfällig. „Am vorigen Standort hatten wir eine dunkle Hinterhof-Atmosphäre. Kein Ort, an dem man sich gerne aufhält.“ Der Neubau in Eilendorf sei hell und „mitten im Leben“. Gut sichtbar, direkt gegenüber eines Supermarktes befindet sich der AKHD jetzt und kann so in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Zeit für einen Neuanfang: „Wir brauchen noch Ausstattung für die neuen Räume und müssen neue Ehrenamtliche ausbilden.“

Dreißig Ehrenamtliche schenken hier Familien mit unheilbar kranken Kindern Zeit. Ein Drittel des Projektes ist refinanziert, davon werden die Festangestellten getragen. Der Rest finanziert sich über Spenden. Martin Emmerich begründete die Entscheidung, den AKHD dieses Jahr zu fördern, mit der fantastischen Arbeit, die dort geleistet werde: „Es ist ein fördernswertes Projekt.“

Neben dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst erhielten die Organisationen „Bunter Kreis in der Region Aachen e.V.“, „Feuervogel – Hilfen für Kinder suchtkranker Eltern“ der Suchthilfe Aachen und das Projekt „Kinder in Not“ der Freunde und Förderer des Luisenhospitals e.V. eine Spende von jeweils 2.500 Euro.

Der Bunte Kreis begleitet Familien mit kranken oder behinderten Kindern, um sie bei der Bewältigung des Alltages zu unterstützen, beispielsweise nach einem langen Krankenhausaufenthalt des Kindes. Die sozial-medizinische Nachsorge durch das Fachpersonal wird meist von den Krankenkassen übernommen. Der Bunte Kreis bietet jedoch auch andere Projekte, die ausschließlich über Spenden finanziert werden. Beispielsweise werden die gesunden Geschwisterkinder betreut, die in einer solchen Situation oft zu kurz kommen. „Sie funktionieren nur noch in ihrer Rolle“, erklärt Monika Janssen, Geschäftsführerin von Bunter Kreis e.V. Außerdem gebe es ein Projekt für Kinder mit Diabetes, bei denen Eltern pragmatisch über die veränderten Ess- und Sportgewohnheiten ihres Kindes geschult werden.

Bei „Feuervogel – Hilfen für Kinder suchtkranker Eltern“ lernen Kinder in Gruppen, das Thema Sucht zu enttabuisieren. „Das ist eine große Entlastung. Diese Kinder sind es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen, weil ihre Eltern es nicht können. Die meisten haben viel durchgemacht und sind verhaltensauffällig. Wir helfen Kindern, wieder Kinder zu sein“,  so Sozialpädagogin Maria Gurr. Feuervogel unternimmt verschiedene Aktionen mit den Kindern, um ihnen wieder Lebensqualität zu bieten. „Kultur und ein Miteinander – damit kommen viele zuhause gar nicht in Berührung.“ Auf dem Programm stehen beispielsweise Theaterbesuche, Führungen oder Konzerte. Neben dem Angebot für Kinder, gebe es auch gezielte Maßnahmen für die Eltern. Maria Gurr stellte klar, dass es sich bei Feuervogel nicht um eine Suchttherapie handelt, sondern um Erziehungscoaching. „Viele Eltern haben aufgrund der Sucht ein so schlechtes Gewissen ihren Kindern gegenüber, dass sie ihnen alles durchgehen lassen. Eine Erziehung findet nicht mehr statt. Sie müssen erst wieder lernen, sich wie Eltern zu verhalten.“  Seit zwei Jahren könne man eine Regelfinanzierung für das Projekt erhalten, wenn ein Antrag beim Jugendamt gestellt wird, „das deckt aber nicht die Kosten. Mit den Spenden fallen wir auf die Füße.“

„Kinder in Not“ ist ein Projekt der Freunde und Förderer des Luisenhospitals e.V. und setzt sich für Kinder mit schwersten Verbrennungen ein. Jedes Jahr wird ein Kind mit Verbrennungen im Luisenhospital behandeln, die Finanzierung geschieht ausschließlich über Spenden. „In den Heimatländern gibt es keine Möglichkeit, diese Verletzungen zu behandeln“, erklärte Elke Hindemith. Das Projekt habe einen großen Stellenwert und könne mit der Spende weitergeführt werden. Der letzte Patient war der 9-jährige Ahmad aus Afghanistan. Dank der Behandlung im Luisenhospital hat der Junge, der zuvor keine Hände hatte, jetzt greifende Finger und kann zur Schule gehen. Ein Bettlerdasein bleibt ihm dadurch erspart.

Martin Emmerich unterstützte das Projekt neben der Spende auf seine eigene Weise. Die Kinder, die im Luisenhospital wegen ihrer Verbrennungen behandelt werden, hätten oft auch massive Zahnprobleme. Während der OP, bei der die Kunsthaus-Implantate verpflanzt werden, behandeln Dr. Emmerich und sein Team die Kinder gleichzeitig an den Zähnen.

Der nächste Patient ist ein 12-jähriger Junge aus Usbekistan, der sich bei einem Lagerfeuer schwere Verbrennungen zugezogen hat. „Es ist zwar eine Einzelfallhilfe, doch wir haben die Hoffnung, die Welt dadurch langfristig positiv zu beeinflussen“, so Elke Hindemith. Den Kindern würden positive Werte vermittelt, die sie anschließend in ihre Heimatländer mitnehmen.

Volker Pöhlsen, Vorstandsvorsitzender des Bunten Kreises schloss die Spendenübergabe mit einem Zitat von Mahatma Gandhi: „Wenn wir wahren Frieden in der Welt erlangen wollen, müssen wir bei den Kindern anfangen.“

Vielleicht wird sich der eine oder andere Leser während der Weihnachtstage bewusst, dass er mehr hat als er gerade braucht. Zögern Sie nicht, Ihren Überfluss mit anderen zu teilen.

Frohe Weihnachten und ein frohes neues Jahr!

 

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