Warum XING-Workshops sinnlos geworden sind

31. Juli 2018 um 23:35

Warum biete ich keine offenen XING-Workshops mehr an? Was macht mich so wütend an der Strategie von XING? Und wie kommen Sie ganz einfach und kostenlos an die bisher sorgsam gehüteten digitalen Unterlagen zum Workshop „XING professionell nutzen“?

Tagungsunterlagen, Stifte und Batches

Die Handouts zum XING-Workshop

In den letzten drei Jahren haben wir mehr als 20 Workshops mit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern veranstaltet. Es ging primär um das XING-Profil – die so überaus wichtige Über-mich-Seite – und um das Portfolio und die Unternehmensseite. Und selbstverständlich ging es auch um Schlüsselwörter, die XING-Suchmaschine, um Google und ums Netzwerken. Im Januar 2018 haben wir den letzten XING-Workshop veranstaltet.

Es gibt mehrere Gründe, warum wir keine XING-Workshps mehr veranstalten. Der eine – aber nicht entscheidende – ist, dass ich nicht mehr von „wir“ sprechen kann, denn seit über einem Jahr habe ich keine Praktikantinnen und Volontäre mehr, die mich dabei unterstützen. Aber natürlich kann ich auch alleine einen Workshop leiten, ich muss nur die Unterlagen dann selbst ausdrucken und zusammenstellen. Das ist aber das kleinste Übel.

XING entzieht den Mitgliedern immer mehr Vorteile

Das größere Übel – und darunter lassen sich alle folgenden Punkte subsumieren – das größte Übel ist XING selbst. Um es gleich zu sagen: Ich kenne kein Portal, das einen so guten beruflichen Überblick bietet wie XING. Das eine Über-mich-Seite bietet, die alle wesentlichen Qualifikationen und beruflichen Merkmale einer Person auf einen Blick zeigt. Deshalb werde ich das Portal auch weiterhin nutzen (müssen). Aber die immer schlechteren Bedingungen, unter denen wir Nutzer, also wir zahlenden Kunden, auf XING arbeiten und die Art und Weise, wie uns wertvolle und wichtige Vorteile einfach weggenommen werden, die ist unverschämt, kunden-unfreundlich und nachgerade geschäftsschädigend.

XING versteckt die Schlagworte (Tags)

Beispiel für Tags: Freiberufler, XING-Gruppe, Unternehmen 0, XING-Experte usw.

Beispiel für Schlagworte, mit denen ein XING-Kontakt getagt wird

Eine der prägnantesten und absolut unakzeptierbaren Änderungen machte XING beim letzten Release – wohlgemerkt, ohne die Nutzer auch nur zu fragen oder deren Wünsche in irgendeiner Weise zu berücksichtigen: XING nahm uns die Tags aus dem Sichtfeld. Man muss sich das einmal vorstellen: Über Jahre hinweg haben wir hunderte gesammelte Kontakte mit relevanten Schlagwörtern markiert, damit wir damit arbeiten können – und XING nimmt sie einfach ohne Vorwarnung aus der Sicht.

Gewiss, sie sind noch da, aber an einer Stelle versteckt, an der wir nicht damit arbeiten können. Denn natürlich muss ich einen Kontakt aufrufen und die wichtigen Merkmale direkt sehen können: Ein Geschäftspartner zum Beispiel, aus Köln, mit dem ich wegen eines Projekts im Gespräch war. Oder eine ehemalige Kollegin, die jetzt in Stuttgart arbeitet. Oder …

Wenn aber die Schlagworte (Tags) so versteckt sind, dass ich in meine Kontaktliste gehen und den Kontakt dort suchen muss und dann erst sehe, welche Schlagworte ich ihm zugewiesen hatte – dann habe ich schon vergessen, warum ich überhaupt nachsehen wollte. Diese Schlagworte machen nur Sinn, wenn sie direkt und auf den ersten Blick auf der Profilseite des Kontakts gleich neben dessen Bild zu sehen sind.

Die Tags an der Stelle zu suchen, wo sie jetzt sind, ist ungefähr so, als müsse man die Akten, mit denen man arbeiten muss, jedes Mal wieder zuklappen und in den Schrank räumen, wenn man eine Information gefunden hat, und sich dann wieder seiner Arbeit zuwenden, und bei der nächsten Frage wieder an den Aktenschrank laufen, um die entsprechende Antwort zu finden, dann wieder zuklappen und zurück an den Schreibtisch usw. Ein vollkommen unsinniges Unterfangen, eine Sysiphosarbeit.

XING kassiert die Ergebnisse unserer Arbeit

Man muss sich das einmal vorstellen: Da stecken Stunden, ja Tage Arbeit dahinter, und XING nimmt uns, den zahlenden Kunden, das Feature einfach weg! Mich wundert nur, dass noch niemand dieses Unternehmen verklagt hat.

Dabei ist die Sache mit den Tags nur ein Beispiel – gewiss das verheerendste – aber nur eines von vielen. Über die Jahre hinweg hat XING immer wieder Verschlimmbesserungen gegen den Protest der Nutzerinnen und Nutzer eingeführt. Ganz offensichtlich standen dabei zwei Interessen im Vordergrund: 1. mit kostenpflichtigen Merkmalen mehr Profit zu machen und 2. nur Dinge zu befördern, die einem möglichst breiten Publikum gefallen.

XING verschlechtert die Gruppen-Funktionen

So wurde das Design immer mehr Facebook-like. Und die Gruppen-Funktionen – die mir und anderen mit die wichtigsten sind – immer weiter eingeschränkt und mit Werbung zugeballert. Und andere Funktionen sind nur noch für zahlende Mitglieder erhältlich.

XING bestraft die Basis-Mitglieder

Basis-Mitglied mit grauem Hintergrundbild

Basis-Mitglied mit grauem Hintergrundbild

Aus dem letzten Redesign stammt auch das neue Hintergrundbild zum Profilbild, das leider nur die zahlenden Kunden einrichten können. Die Basis-Kunden haben eine graue Wand im Hintergrund, damit jeder gleich sieht, dass sie sich keine Premium-Mitgliedschaft leisten.

Premium-Mitglied mit Hintergrundbild Magnolie

Premium-Mitglied mit schönem Hintergrundbild

Dabei war der Unterschied zwischen Basis und Premium vorher groß genug: Premium hat mehr und bessere Such-Funktionen, sieht konkret, wer sein Profil besucht hat, und kann automatische Suchaufträge anlegen. Aber die Menge an Premium-Kunden reicht XING nicht, man kriegt halt den Hals nicht voll und muss mehr und mehr kostenpflichtige Dienste hinzufügen.

XING führt neue kostenpflichtige Features ein

Da kam das Coach-Profil – meiner Meinung nach überflüssig wie ein Kropf, aber was soll’s. Ebenso überflüssig ist die Profi-Unternehmensseite. Ebenso Pro-Jobs. Ebenso die zusätzlichen Funktionen bei Event plus: Mehr Werbung für das Event – wer aber sieht, in welchem Umfeld beworben wird, mag sich das gerne sparen! – und mit Event plus kann ich sehen, wer mein Evcent besucht hat. So what? Soll ich jeden, der sich mein Event angeschaut hat, mit meinem Anruf oder meiner Mail nerven und nachfragen, warum er oder sie sich noch nicht angemeldet hat? Auf solche aggressiven Methoden verzichte ich gern.

Will XING nur noch Premium-Mitglieder?

Und nun will man also die Basis-Mitglieder regelrecht ausbluten, damit sie endlich einsehen, dass sie sich einen Premium-Account zulegen sollen? Ich selbst bin zwar seit Jahren Premium-Mitglied, habe aber meinen Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern frei heraus gesagt, dass sie sich das sparen können, es sei denn, 1. sie nutzen XING als einzige Online-Plattform für ihr Business und 2. sie möchten gleich mehrere Unternehmen über XING vermarkten. Denn das geht am besten mit mehreren XING-Unternehmensseiten.

Übrigens müssen Sie nicht länger suchen, die Unterschiede herauszufinden. Hier sind die Premium-Vorteile übersichtlich dargestellt: Ihre Premium-Vorteile auf einen Blick. Und hier sehen Sie eine Gegenüberstellung Premium – Basis: Alle Vorteile einer Premium-Mitgliedschaft bei XING.

Leider macht XING es uns schwer, solche Fakten direkt und einfach zu finden. Es scheint eine Strategie dahinter zu stecken, denn auch die Preispolitik ist undurchsichtig. Meine Praktikantinnen und Praktikanten, die für sich eine XING-Premium-Mitgliedschaft einrichteten, bezahlten von 56 bis 96 € dafür – je nach Angebot und Pfiffigkeit, für das gleiche Ergebnis!

XING versteckt die Unternehmensseite

Screenshot Profilseite mit Link zum Unternehmensprofil

Profilseite mit Link zum Unternehmensprofil

Damit kommen wir zur Unternehmensseite: Diese so überaus wichtige Seite im Hintergrund ist jetzt von XING selbst abgewertet worden. War sie vorher eine Informationsseite zum Unternehmen, die ein klares Profil mit Fakten zeigte, ist sie jetzt kaum noch zu finden. War sie vorher gleich neben dem Profilbild eines Nutzers anzuklicken, muss man jetzt nach unten scrollen und danach suchen. Wieder ein wichtiges, hilfreiches Merkmal weniger. Danke, XING, für nichts.

Die XING-Unternehmensseite hatte einen großen Wert, weil sie direkt vom Nutzerprofil aus mit einem Klick neben dem Foto zu erreichen war. Weil sie eine eigene URL hat und daher suchmaschinenrelevant ist. Weil sie auch Basis-Mitgliedern eine Chance bot, sich und ihr Angebot in einem offenen Online-CV wirksam darzustellen. Das hat XING ihnen jetzt weggenommen. Die Seite existiert zwar noch, ist aber nur schwer zu finden.

XING tritt Mitglieder und Berater gegen das Schienbein

4 Figuren auf dem Trödelmarkt in Brügge

Symbol-Bild für meine Workshops: Machen Sie eine gute Figur auf XING?

Warum ich mich so echauffiere? Nicht nur, weil mir als zahlendem Mitglied Merkmale einfach weggenommen werden – ohne Entschädigung, wohlgemerkt! Können Sie sich vorstellen, dass ein anderer Verein sich so etwas erlaubt? Bei gleichbleibendem oder steigendem Mitgliedsbeitrag werden erst die Räume verkleinert, dann kostenlose Angebote eines nach dem anderen abgebaut, dann weitere Möglichkeiten gestrichen oder nur noch gegen Extra-Beiträge angeboten usw. Und das, was Sie als Mitglied sich innerhalb der Nutzung über Jahre aufgebaut haben, ist plötzlich verschwunden? Das können Sie sich zwar noch im Keller angucken gehen, aber nicht mehr oben in den Tagungsräumen bei hellem Tageslicht verwenden? Also können Sie es auch gleich vergessen.

Warum mich das so besonders erbost und auf die Palme bringt: Weil ich mit meiner Arbeit und meinen Workshops dieses Unternehmen noch befördert habe und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gegenüber stets betont habe, wie wichtig XING als Plattform sei. Ich habe dabei geholfen, seinen Wert zu vergrößern und seine Bedeutung zu steigern – und dann agieren diese Schnösel aus Hamburg, als sei es ihnen gleich, was wir denken und wollen, Hauptsache, der Profit stimmt.

Weil ich als Moderatorin einer der größten aktiven Gruppen mit nahezu 16.000 Mitgliedern den Wert und die Bedeutung von XING gesteigert habe. Das ist die Gruppe Aachen & Euregio Maas Rhein. Mit meiner unentgeltlichen Arbeit – für die es nicht einmal einen Ehrenamtstitel gibt – habe ich dazu beigetragen, dass viele Menschen, die ich schätze, Mitglied geworden oder geblieben sind. Darum bin ich so sauer auf diesen profitsüchtigen, kundenunfreundlichen Verein.

Mein Fazit: Keine XING-Workshops mehr

Titelblatt zum letzten Workshop

Der letzte Workshop „Wie Sie XING professionell nutzen“

Es gibt also keine XING-Workshops von faltmann PR mehr. Ich berate weiterhin einzelne Personen, die ihr XING-Profil optimieren möchten, und baue ihnen professionelle Seiten, die gefunden werden – auf XING und auf Google. Ich mache auch Workshops in Unternehmen zum Thema Profilierung, speziell Profilierung auf und über XING, für Abteilungen und Gruppen und Vorstände.

Aber ich biete keinen offenen Workshop mehr an. Meine alten Workshop-Unterlagen habe ich vernichtet: Ich habe keine Lust und keine Energie mehr, sie zum hundertsten Mal zu überarbeiten, weil XING wieder einmal etwas geändert hat. Ich habe erst recht keinen Nerv, Merkmale zu bewerben, die ich selbst nicht gut finde. Ich muss mich selbst wieder neu zurechtfinden – und es ist nicht besser, was ich herausfinde, sondern schlechter als vorher.

Falsch. Es kommt auf die Perspektive an. Für uns Nutzerinnen und Nutzer ist es schlechter. Für XING ist es vermutlich besser, weil es weniger Arbeit macht und lukrativer ist.

Workshop-Unterlagen jetzt kostenlos zum Herunterladen!

Titelblatt zum Handout Checkliste für Ihren XING-Auftritt

Das Handout „Checkliste für Ihren XING-Auftritt“ schenke ich Ihnen!

Welche Erfahrungen haben Sie mit XING gemacht? Sind Sie Basis-Mitglied oder Premium und haben Sie schon einmal gewechselt? Für jeden Kommentar gibt es wahlweise die aktuellste Fassung der 60seitigen Präsentation zum Workshop „XING professionell nutzen“ oder das Handout mit Schritt-für-Schritt-Anleitung: „Checkliste für Ihren XING-Auftritt“ als PDF.

Oder beides, wenn Sie mich nett fragen 🙂

Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

Das könnte Sie auch interessieren:

TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste