Social Media – ein Leitfaden

20. April 2015 um 08:26

oder: „love it or leave it“

Interessanterweise scheinen Social Media die Menschen in steigendem Maße mehr zu verunsichern, als dass die Kanäle zu einer Selbstverständlichkeit in der Kommunikation miteinander werden. Wie sonst könnte es sein, dass selbst in einem Weiterbildungskurs zum Referenten „Marketing und Öffentlichkeitsarbeit“ das Gros der Teilnehmer erst einmal gar nichts von diesen Kanälen wissen, geschweige denn, sich dort anmelden wollte? Und dies, obwohl Öffentlichkeitsarbeit zum zukünftigen Wunschjob gehört.

Aber woher kommt das? Meines Erachtens hat es viel mit dem Halbwissen über die Kanäle zu tun, das durch Nicht-Nutzung entsteht. Eine objektive Meinung benötigt eigene Erfahrungswerte. Ansonsten fußt die Einstellung nur auf fremden Meinungsfragmenten, die unter Umständen zu einer falschen Einschätzung führen.

Social Media für Privat-Nutzer?

Für Unternehmen mittlerweile schon selbstverständlich, kann eine Nutzung der Social-Media-Kanäle auch für Privat-Personen sehr gewinnbringend sein. Richtig eingesetzt, können die Kanäle selbst bei der Jobsuche wertvolle Dienste leisten. Wie das geht, lesen Sie in meinem Blogbeitrag „Social Media – der neue Weg, sich zu bewerben?

Ein Leitfaden beziehungsweise Guidelines helfen, die Kanäle bestmöglich und sicher zu nutzen.

Spielbrett Mensch ärgere Dich nicht mit Figuren

Ohne Spielregeln gibt’s Ärger

Aber zuerst noch einmal einen Schritt zurück: Was sind eigentlich Social-Media-Kanäle? Unter dem Begriff „Social Media“ werden Plattformen verstanden, die vom User aktiv bestückt werden können. Er kann hier eigene Beiträge verfassen, Fotos und Videos hochladen, Meinungen mit anderen austauschen, Diskussionen führen und alles miteinander verknüpfen und mit anderen Usern teilen. Zu den Plattformen zählen Facebook, Twitter, Pinterest, YouTube, private und Unternehmens-Blogs, aber auch die Business-Plattformen XING und LinkedIn.

Die meisten Unternehmen haben den großen Wert der sozialen Medien erkannt. Sie nutzen die Kanäle, um ihr Portfolio bekannt zu machen. Denn die User verbreiten ihr Wissen über Firmen, Innovationen und Produkte im Netz. Diese kostenlose Informationsverbreitung kann eine hohe Reputation bringen, kann aber auch vernichtend sein.

Die Plattformen nicht zu nutzen, bedeutet, ein wertvolles Kommunikationsmedium außer Acht zu lassen. Richtig eingesetzt, können Social Media helfen, Kritik oder Krisen für das Unternehmen und sein Produkt genauso frühzeitig zu erkennen wie neue Trends. Die Kanäle können aber auch genutzt werden, eigene Anliegen – beispielsweise die Suche nach einem neuen Arbeitsgebiet – anzugehen.

So oder so ist zur zielführenden Nutzung der Social-Media-Kanäle eine strategische Herangehensweise notwendig. Und hier sind wir wieder bei unserem Leitfaden. Schon in unserem Blogbeitrag „Social Media Guidelines ganz einfach“ haben wir über den Umgang mit diesen Kanälen aus der Sicht der Unternehmen berichtet. Hier möchten wir uns einmal von der reinen Unternehmenssicht lösen und fragen, welche Spielregeln wir als Privatmenschen beachten sollten?

Die 10 Gebote der Social-Media-Welt

  1. Social Media ist Kommunikation – und Kommunikation ist Austausch.
    Social Media ist Kommunikation – und Kommunikation ist Austausch zwischen Sender und Empfänger. Social Media sollten Sie nur nutzen, wenn Sie auch bereit sind, sich auf einen Dialog einzulassen. Möchten Sie lediglich Ihre Message „loswerden“, dann ist ein Social-Media-Kanal nicht die richtige Plattform und bringt nicht den gewünschten Erfolg.
  2. Informationen gezielt streuen – Zielgruppe und Konzept abstecken.
    Machen Sie sich im Vorfeld klar, wer Ihre Zielgruppe ist und was sie kommunizieren wollen. Wen möchten Sie ansprechen und welches Ziel möchten Sie erreichen? Was für Unternehmen selbstverständlich sein sollte, ist auch für die private Kommunikation im Netz nicht unerheblich. Informationen sind nur dann gewinnbringend, wenn sie zum rechten Zeitpunkt mit dem passenden Medium an die richtige Zielgruppe gerichtet werden. Dazu muss man vorher seine Vorgehensweise – das Konzept – festlegen.
  3. Nicht Quantität, sondern Qualität zählt.
    Es fällt schnell auf, wenn das Etikett mehr verspricht als der Inhalt hält. Achten Sie daher darauf, dass Sie sich nur dann zu Wort melden, wenn Sie wirklich etwas zu sagen haben. Machen Sie sich vorher klar, was für Ihre Zielgruppe interessant ist.
  4. Recherchieren Sie gründlich – nur die Wahrheit gilt.
    Ihre Leser sind Internet-affin und finden daher schnell heraus, ob Ihre Aussagen nur eine Seite der Medaille beleuchten oder etwa gar nicht der Wahrheit entsprechen. Zitieren Sie andere, müssen Sie dies durch eine Quellenangabe belegen. Das hat zusätzlich den positiven Effekt, dass Ihre Aussage glaubwürdiger klingt, weil mindestens eine andere Person genauso denkt wie Sie – nämlich der zitierte Autor. 🙂
  5. Urheberrecht und Copyright sind auch bei Social Media keine Fremdwörter.
    Ob Sie einen hochoffiziellen mehrseitigen Fachartikel schreiben oder einen dreizeiligen Blogbeitrag, die Eigentumsrechte – Urheberrecht, Copyright, das Recht am eigenen Bild – greifen auch hier. Gerade nach dem jüngsten Urteil bezüglich der Bildrechte – „Neues Urteil zur Bilder-Nutzung im Web“ – ist hier Vorsicht geboten. Nicht einmal das eigene Bewerbungsbild darf man einfach so für seine Website nutzen, wenn der Erwerbszweck für die Bewerbungsmappe war. Möchten Sie das Foto für die eigene Website nutzen, müssen Sie vom Fotografen zusätzliche Rechte kaufen. Diese Problematik können Sie einfach umgehen, indem Sie sich eine Sammlung an eigenen Bildern zulegen. Lesen Sie dazu „Bilder im Netz: So geht’s“
  6. Fehler sind menschlich.
    Sie haben einen Fehler gemacht? Was jetzt? Schweigen und hoffen, dass er niemandem auffällt? Nein, gerade der proaktive Umgang mit Fehlern und Missverständnissen belebt die Diskussion und zeigt den Lesern, dass sie ernstgenommen werden. Eigene Fehler schnellstmöglich zuzugeben, wird positiv aufgenommen. Sachlich und höflich können Sie sogar auf Fehler in fremden Beiträgen hinweisen: Dies führt oft zu einer lebhaften und befruchtenden Diskussion.

    Selbst wenn Sie Ihre Leser wahrscheinlich nie persönlich kennenlernen werden, begegnen Sie ihnen höflich. Eine Diskussion gewinnt durch einen respektvollen Umgang miteinander an Wert. Dies bedeutet aber auch, dass Sie eine Konversation am besten beenden, wenn Sie feststellen, dass Ihr Kommunikationspartner Ihnen und Ihren Lesern eben genau diesen Respekt versagt.

  7. Privat und Beruf läßt sich im Netz nicht immer trennen.
    Nicht nur bei der beruflichen Nutzung der Social-Media-Kanäle treffen Sie auf Arbeitskollegen, Kunden oder Topics, die Ihr berufliches Umfeld betreffen, sondern auch, wenn Sie privat im Netz unterwegs sind. Daher heißt die Devise für den Umgang im Netz immer: Kann ich mit meinem Verhalten und meinen Äußerungen auch morgen noch leben, ohne mich dafür zu schämen? Da das Internet nie vergisst, sollten Sie diese Frage ganz klar mit einem „Ja“ beantworten können.

    Die User stoßen im Netz auf verschiedene Informationen zu Ihrer Person. Diese oft nicht zusammenhängenden Informationen fügen sich zu einem Bild von Ihnen – Ihrer Meinung, Ihrer Einstellung, Ihrer Situation – das sowohl Ihre berufliche als auch Ihre private Person betrifft.

  8. Eine eigene Meinung ist durchaus erlaubt.
    Selbstverständlich können Sie auch eine persönliche Meinung oder die subjektive Haltung Ihres Unternehmens äußern. Damit der Leser aber unterscheiden kann zwischen Fakten und reiner Meinungsäußerung, sollten Sie dies klar kommunizieren und differenzieren.
  9. Transparenz ist Trumpf – aber transparent heißt nicht vertrauensselig.
    Gerade weil man sich im Netz nicht in die Augen sehen kann, sind Vertrauen und das ehrliche Miteinander eine Voraussetzung für die Kommunikation. Machen Sie deutlich, ob Sie Ihre oder die Meinung eines Unternehmens vertreten, indem Sie Ihre Äußerungen entsprechend kennzeichnen.

    So offen und transparent im Netz kommuniziert werden soll, so klar müssen Firmeninterna und Privatsphäre beachtet werden. Erkundigen Sie sich im Zweifelsfall beim Informationsbeauftragten Ihres Unternehmens und holen sich das Okay ein. Genauso ist die Privatsphäre Dritter zu beachten. Auch hier ist es sinnvoll, sich vorher die Zustimmung einzuholen oder im Zweifel lieber einmal auf eine Veröffentlichung zu verzichten.

  10. Eins, zwei oder drei – bei den Social-Media-Kanälen müssen Sie sich nicht für einen entscheiden
    Es ist nicht notwendig, sich nur auf einen Kanal zu fokussieren. Gerade durch die Unterschiedlichkeit der Kanäle kann jede Plattform in ihrer speziellen Art und Weise für die eigene Kommunikation genutzt werden. Je nach Inhalt und Kommunikationszweck wählt man einen Kanal oder verknüpft die Plattformen, indem beispielsweise ein Beitrag im eigenen Xing-Profil mit Link zu Pinterest auf Twitter und Facebook getweetet beziehungsweise gepostet wird. So kann ohne großen Zusatzaufwand eine große Reichweite erzielt werden.

    Flipchart "Social Media für Oecher"

    Jedes Medium hat seine eigene Sprache

    Beachten Sie aber bitte, dass jede Plattform ihre eigenen Regeln und ihre eigene Sprache hat. Ein Text oder ein Textschnipsel sollte dem Medium angepasst sein, um die Zielgruppe nicht zu verwirren oder gar zu verärgern. Viele machen etwa den Fehler, ihre Facebook-Einträge gleich auf Twitter zu teilen, ohne zu beachten, dass dort nur 140 Zeichen der Nachricht sichtbar sind. So bricht ein Satz mitten drin ab – und verärgert mehr Follower auf Twitter, als sie zu informieren. (Tipp: Das können Sie einfach vermeiden, indem Sie bei Facebook und XING darauf achten, im ersten Satz präzise zu sagen, worum es geht, und dabei die 140 Zeichen nicht zu überschreiten.)

Fazit: Freundlich, höflich und ehrlich währt am längsten

Soweit die zehn Gebote für Privat-Nutzer in den sozialen Medien. Gerne können Sie meine zehn Gebote kommentieren oder über Ihre eigenen Erfahrungen im Social Web berichten.

 

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